08. Dezember 2015 | Gesundheit, Neuigkeiten

Kostensenkung: Kommt bald die Teilzeit-Krankschreibung?

Eine Teilzeit-Krankschreibung würde die Krankenkassen erheblich entlasten. (Bildquelle: © Alexander Raths – Fotolia.com)

Die Krankenkasse ist für viele Menschen ein leidiges Thema. Die Mitglieder beschweren sich über steigende Beiträge, während die Krankenkasse selbst aufgrund immer höherer Kosten ächzt.

Im Jahre 2014 mussten die Krankenkassen in Deutschland beispielsweise 10,6 Milliarden Euro an Krankengeld zahlen, das sich auf 1,8 Millionen Fälle verteilt hat. Tendenz steigend.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat aus diesem Grund im Jahr 2014 ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich mit Lösungsansätzen für dieses Problem beschäftigen soll. Gröhe möchte die Krankenkassen entlasten und ist dabei offen für kreative Ansätze.

Ein revolutionärer Vorschlag ist dabei die Teilzeit-Krankschreibung. Hierbei handelt es sich um einen Kompromiss aus krank und gesund. Je nachdem, ob die jeweilige Krankheit es zulässt, sollen Patienten demnach zumindest teilweise arbeiten gehen. 

Wieso müssen die Krankenkassen jedes Jahr mehr Krankengeld ausschütten?

Es stellt sich die Frage, wieso Krankenkassen immer mehr Krankengeld ausschütten müssen, obwohl die Bevölkerungszahl in Deutschland stagniert bzw. in den letzten Jahren sogar geschrumpft ist.

Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Löhne der Arbeitnehmer steigen
    Durchschnittlich steigen die Löhne von Arbeitnehmern. Wer mehr verdient, der erhält folglich auch mehr Krankengeld.
  • Ältere Menschen arbeiten mehr als früher
    Die Latte für das Renteneintrittsalter wird ebenfalls immer höher gelegt. Außerdem arbeiten ältere Menschen allgemein mehr, um besser über die Runden zu kommen. Je älter man wird, desto öfter wird man allerdings auch krank – die Krankenkassen müssen also auch hier mehr Krankengeld bereitstellen.
  • Immer mehr Frauen gehen einer Tätigkeit nach
    Während sich Frauen früher hauptsächlich um den Haushalt und die Kinder gekümmert haben, gehen heutzutage immer mehr Frauen arbeiten.
  • Psychische Krankheiten führen häufiger zur Krankschreibung
    Depressionen und Co wurden noch vor einigen Jahrzehnten so gut wie nie diagnostiziert. Heutzutage handelt es sich dabei jedoch um anerkannte Krankheiten, die immer häufiger diagnostiziert werden und oftmals zu langen Krankschreibungen führen. Bei Frauen nehmen Depressionen fast 25% der Gesamtausgaben ein, bei Männern sind es immerhin 17%.
  • Immer mehr Menschen leiden an Rückenschmerzen
    Auch die Zahl der Menschen, die unter Rückenschmerzen leiden und deshalb arbeitsunfähig werden, wächst stetig.

Übrigens: Krankengeld wird von den Krankenkassen erst nach sechs Wochen Krankheit ausgeschüttet. Vorher muss der Arbeitgeber einspringen.

Wie kann man die Krankenkassen entlasten?

Der kreativste Ansatz, um die Krankenkassen zu entlasten, ist definitiv die Teilzeit-Krankschreibung. Bei dieser Art der Krankschreibung gibt es nicht nur das Alles-oder-Nichts-Prinzip – auch eine teilweise Krankschreibung ist möglich. Wie könnte eine solche Teilzeit-Krankschreibung in der Praxis aussehen?

Wenn man trotz Krankheit arbeiten könnte, ohne die Genesung zu behindern, dann könnten sich Arzt und Patient in Zukunft auf eine Teilzeit-Krankschreibung einigen. Das könnte in der Praxis so aussehen, dass der Patient beispielsweise zu 75% krankgeschrieben wird und zu 25% arbeiten kann. In einem solchen Fall würde er normal arbeiten gehen – allerdings in einem deutlich geringeren Rahmen. Auf diese Weise würde der Patient in unserem Beispiel 25% seines Lohns selbst erarbeiten – die Krankenkasse würde hingegen circa 25% Krankengeld einsparen. Natürlich lässt sich der Prozentsatz wahlweise nach oben oder nach unten verschieben.

Eine weitere Maßnahme, die nichts mit der Teilzeit-Krankschreibung zu tun hat, ist die bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Zwar gibt es hier noch keine konkreten Vorschläge, man möchte sich aber schnellstmöglich darum kümmern. Psychische Erkrankungen sind in Relation zu anderen Krankheitsbildern Neuland in der Medizin, weswegen noch immer keine perfekte Versorgung des Patienten gewährleistet werden kann – zumal jeder Mensch anders ist und eine andere Psyche hat.

Die Vorteile einer Teilzeit-Krankschreibung

Wenn Teilzeit-Krankschreibungen rigoros umgesetzt werden und nicht nur eine theoretische Möglichkeit bleiben, dann ist eine erhebliche Entlastung der Krankenkassen möglich. Auf diese Weise würden Beitragserhöhungen sicherlich ebenfalls entfallen oder nicht ganz so hoch ausfallen, wie es momentan der Fall ist.

Des Weiteren ist die Integrierung des Patienten in das alltägliche Leben eine gesundheitsfördernde Maßnahme. Die Arbeit lenkt von der Krankheit ab, der Kontakt mit Mitmenschen wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus und er kommt an die frische Luft. Ein Leben als Einsiedler ist zwar bei vielen ansteckenden Krankheiten sinnvoll, sollte allerdings auch nur in solchen Fällen gelebt werden.

Insbesondere bei Depressionen kann menschlicher Kontakt auf der Arbeit Wunder bewirken. Wer sich alleine Zuhause versteckt, der sackt tendenziell noch weiter in die Depression ab.

Nicht zuletzt hat natürlich auch der Arbeitgeber einen Vorteil, wenn seine Angestellten nicht dauerhaft ausfallen. Die Größe des Vorteils hängt hier allerdings stark vom Job selbst ab.

Die Nachteile einer Teilzeit-Krankschreibung

Eine Teilzeit-Krankschreibung hat nicht nur Vorteile, sondern kann auch missbraucht werden, um Druck auf den Patienten auszuüben – sei es als Arbeitgeber, als Arzt oder als Mitarbeiter der Krankenkasse. Es besteht die Gefahr, dass ein Arbeitnehmer zurück zur Arbeit geschickt wird, obwohl er eigentlich noch gar nicht fit ist. An dieser Stelle ist eine gewissenhafte Prüfung des Gesundheitszustandes des Patienten wichtig.

Des Weiteren eignen sich nicht alle Arbeitsplätze für ein solches System. In manchen Jobs nützt es einfach nichts, wenn jemand nur 25% seiner Stelle ausfüllt.

Wurde ein solches System bereits irgendwo eingeführt?

Laut einem Artikel auf Focus.de gibt es in Schweden bereits ein ähnliches System. Dort wird der Gesundheitszustand des Patienten bereits in regelmäßigen Abständen geprüft.

Des Weiteren gibt es in Deutschland das sogenannte Hamburger Modell. Hierbei handelt es sich um die schrittweise Eingliederung eines Patienten in die Berufswelt, nachdem dieser zuvor für einen längeren Zeitraum ausgefallen ist – beispielsweise aufgrund einer Rehabilitation oder eines längeren Krankenhausaufenthaltes.

Fazit: Welche Maßnahmen werden künftig in die Tat umgesetzt?

Die Teilzeit-Krankschreibung ist ein kreativer und durchaus sinnvoller Ansatz, um eine Kostensenkung bei den Krankenkassen herbeizuführen. Gesundheitsminister Gröhe ist mit dieser Möglichkeit zwar noch nicht ganz zufrieden, hält die bisher gesammelten Ideen allerdings für einen guten Ansatz, um weitere Diskussionen führen zu können und sich ein konkretes Modell für die Zukunft zu überlegen.

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