02. Dezember 2015 | Ernährung

Palmöl – Effizient, aber schädlich für Mensch und Natur?

Palmöl ist eine sehr effiziente Art, um an pflanzliches Öl zu gelangen. Der Ruf von Palmöl ist allerdings alles andere als berauschend. (Bildquelle: © weerachaiphoto – Fotolia.com)

Wer in letzter Zeit einen Blick in die Tageszeitungen geworfen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass das Thema Palmöl zurzeit kontrovers diskutiert wird.

Bei Palmöl – oder auch Palmfett – handelt es sich um ein günstiges Pflanzenöl, das aufgrund seiner geringen Herstellungskosten mittlerweile in jedem zweiten Lebensmittel in Deutschland enthalten ist. Das Problem dabei ist, dass sich Palmöl auf der einen Seite negativ auf die Gesundheit auswirken soll, und auf der anderen Seite mitverantwortlich für die Zerstörung der Regenwälder ist.

Dabei ist Palmöl so schön ertragreich: Ölpalmen benötigen für dieselbe Ertragsmenge sechsmal weniger Platz als Soja. Außerdem sind die Palmen dreimal so ertragreich wie Raps.

Doch wieso soll Palmöl überhaupt gesundheitsschädlich sein? Und wieso führt die Kultivierung von Ölpalmen zur Rodung des Regenwaldes? 

Was ist Palmöl?

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme (Elaeis guineensis) gewonnen, die ursprünglich aus Afrika stammt und heutzutage zusätzlich in Südamerika und Südostasien angebaut wird. Es handelt sich hierbei um eine der wirtschaftlich bedeutendsten Pflanzen überhaupt.

Die Ölpalme wird bis zu 30 Meter hoch und trägt bis zu 6000 Früchte, die insgesamt bis zu 50 Kilogramm schwer werden können. Nach der Ernte werden die Früchte schnellstmöglich mit Wasserdampf bearbeitet, sodass eine Spaltung der enthaltenen Fette verhindert wird. Das Fruchtfleisch wird daraufhin gequetscht und von seinen Steinkernen befreit. Das Palmfett wird letztendlich aus dem Fruchtfleisch gewonnen und ist aufgrund seines hohen Carotingehalts rötlich gefärbt. Diese Färbung wird bei der Weiterverarbeitung allerdings aufgehoben. Die Samen enthalten hingegen das Palmkernöl.

Die Ölpalme gehört zur Familie der Palmengewächse (Arecaceae).

Zahlen und Fakten

Hier einmal die wichtigsten Kennzahlen, die man in Bezug auf Palmöl wissen sollte:

  • Palmöl ist das meist angebaute Pflanzenöl auf der Welt (30% Marktanteil)
  • Jährlich bis zu 15% Zuwachsrate bei der Herstellung von Palmöl
  • 2015 werden 60 Millionen Tonnen Palmfett produziert
  • 2001 waren es lediglich 25,6 Millionen Tonnen
  • Indonesien und Malaysia produzieren 85% des gesamten Palmöls weltweit
  • Circa 70% des produzierten Palmöls landen in der Lebensmittelproduktion
  • Der Rest verteilt sich auf die Industrie (z. B. als Reinigungsmittel) und die Energiegewinnung
  • Palmöl ist in Deutschland in jedem zweiten Lebensmittel enthalten

Als Quelle für diese Zahlen diente uns der Artikel über Palmöl auf Wikipedia. In diesem Artikel werden die weiterführenden Quellen genannt.

Gesundheitliche Nachteile von Palmöl

Zwar lassen sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Fetten eigentlich nicht auf ein bis zwei Sätze herunterbrechen, allerdings gilt im Allgemeinen: Gesättigte Fettsäuren sind schlecht für uns, ungesättigte Fettsäuren sind gut für uns. Gesättigte Fettsäuren findet man beispielsweise in tierischen Produkten, wohingegen ungesättigte Fettsäuren vor allem in Nüssen und in fettem Fisch zu finden sind.

Palmöl und Palmkernöl bestehen zu Großteilen aus gesättigten Fettsäuren und wirken sich demnach negativ auf unsere Gesundheit aus.

Des Weiteren sind in Palmfett Fettsäureester (sogenannte Triglyceride) enthalten, die als krebserregend gelten. Je mehr Palmöl man zu sich nimmt, desto größer wird auch das Risiko, dass man eines Tages an Krebs erkrankt. Besonders gefährlich sind diese Inhaltsstoffe für kleine Kinder, da diese ein weitaus geringeres Körpergewicht als Erwachsene aufweisen. Die enthaltenen Schadstoffe wirken sich also um ein Vielfaches stärker auf den Organismus aus.

Zusammenhang: Kultivierung von Ölpalmen und Rodung des Regenwaldes

Durch die Rodung der Regenwälder verlieren viele Tiere ihren natürlichen Lebensraum, wie zum Beispiel der Tiger. (Bildquelle: © kamonrat – Fotolia.com)

Wie wir bereits erwähnt haben, werden Ölpalmen hauptsächlich in Afrika, Südamerika und Südostasien angepflanzt. Die idealen Voraussetzungen für ein schnelles Wachstum sind vor allem in Regenwäldern gegeben. Die logische Konsequenz: Regenwälder werden abgeholzt – Monokulturen von Ölpalmen werden angebaut, damit Palmöl möglichst effektiv produziert werden kann.

Die großflächige Rodung der Regenwälder bringt zahlreiche Nachteile mit sich. So wird der Lebensraum von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten vernichtet. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Diversität der Tiere und Pflanzen in den tropischen Regenwäldern am höchsten ist. Es kommt also zwangsläufig zum Artensterben – am häufigsten werden in diesem Zusammenhang Orang-Utans und Tiger erwähnt. Statt einem Sammelsurium von tausenden von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten erblühen an selbiger Stelle allerdings nur noch Ölpalmen, die alles andere als divers sind.

Doch nicht nur Tiere und Pflanzen werden verdrängt: In den Regenwäldern dieser Welt gibt es zahlreiche Menschenvölker, die sich auf das Leben im Wald spezialisiert haben. Auch diese Menschen verlieren ihren Lebensraum, ihre Lebensgrundlage (die meisten dieser Menschen sind Bauern), ihre Kultur und alles, was sie bisher kannten und liebten.

Plantagen sorgen für Freisetzung von Treibhausgasen

Wir haben bereits erwähnt, dass sich die größten Ölpalmenplantagen in Indonesien und Malaysia befinden. Besonders ergiebig sind dabei die tropischen Torfmoorwälder, die sich in Indonesien in tiefliegenden, küstennahen Gebieten befinden. Diese enthalten bis zu 50-mal mehr Kohlenstoff als vergleichbare Regenwälder.

Damit in diesen Regionen allerdings Ölpalmen kultiviert werden können, müssen die Torfmoorwälder trockengelegt werden. Die Folge: Es werden massenhaft Treibhausgase freigesetzt. Laut einem Artikel des WWF Deutschland ist Indonesien dadurch weltweit zum drittgrößten Treibhausgas-Emittenten geworden.

Öffentlichkeit übt Druck auf die Firmen aus

Der Ruf von Palmöl ist heutzutage alles andere als gut – dafür haben die Online- und Offline-Medien gesorgt. Immer mehr Menschen möchten auf Palmöl verzichten, um ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun und die Rodung der Regenwälder nicht noch weiter zu fördern.

Der Verzicht auf Produkte mit Palmfett übt natürlich wiederum Druck auf die Hersteller aus. Einige Firmen haben bereits verkündet, dass sie in Zukunft auf den Einsatz von Palmöl verzichten möchten. Sie müssen nun Alternativen finden.

Sollte man Palmöl nur verteufeln?

Palmöl führt zwar momentan zur Rodung der Regenwälder und ist für uns Westeuropäer nicht unbedingt gesund, jedoch sollte man die Situation auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten:

  • Palmöl ist effektiv
    Wir haben bereits erwähnt, dass man aus Ölpalmen auf einer sehr kleinen Fläche sehr viel pflanzliches Öl generieren kann. Das bedeutet gleichzeitig, dass beim Anbau von ähnlichen Pflanzen zur Fettgewinnung deutlich mehr Fläche benötigt werden würde. Ergo würde noch mehr Regenwald abgeholzt werden müssen, sofern es sich denn um Pflanzen handelt, die ebenfalls dieses Klima zum effektiven Wachstum benötigen.
  • Gesundheit ist ein Luxus-Problem
    Wir beschweren uns darüber, dass wir von zu viel Palmöl fett werden – in anderen Ländern wird das günstige Pflanzenöl benötigt, um überhaupt erst den täglichen Fettbedarf des Körpers decken zu können. Wenn Lebensmittel Mangelware sind, rückt ein mögliches Krebsrisiko in den Hintergrund.
  • Alles ist krebserregend
    Wenn man jeder Studie Glauben schenkt, dann sind so gut wie alle Lebensmittel in irgendeiner Weise krebserregend. Wir finden: Die Menge macht das Gift. Man sollte einfach weniger von diesen Lebensmitteln zu sich nehmen, sodass das Risiko minimiert wird.
  • Ölpalmen sollten ökologisch und sozialverträglich angebaut werden
    Palmöl wäre ein weitaus geringeres Problem, wenn die dazugehörigen Ölpalmen so angebaut werden würden, dass niemand zu Schaden kommt – weder Waldvölker, noch der Regenwald, noch die Tierwelt. Dies wäre allerdings mit Mehrkosten verbunden, weshalb es sich hierbei um ein No-Go für die Firmen handelt.

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