08. Januar 2016 | Ernährung, Gesundheit, Lifestyle

Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung zur Krankheit wird

Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung zur Krankheit wird

Als Orthorexie bezeichnet man den Zwang, sich ausschließlich gesund zu ernähren. (Bildquelle: © PhotoSG – Fotolia.com)

In den letzten Jahren konnte man innerhalb der deutschen Bevölkerung die Entwicklung eines stetig wachsenden Gesundheitsbewusstseins beobachten. Immer mehr Deutsche gehen ins Fitnessstudio, möchten sich gesund ernähren und hinterfragen die Herkunft ihrer Lebensmittel.

Manche Menschen wenden sich sogar bestimmten Ernährungsformen wie Veganismus oder der Steinzeiternährung zu, und verzichten somit gänzlich auf bestimmte Gruppen von Lebensmitteln.

Gesundheit ist aktuell Trumpf – doch man kann es natürlich auch übertreiben. Experten sprechen von einer sogenannten Orthorexie (Fachbegriff: Orthorexia nervosa), wenn sich Menschen zwanghaft gesund ernähren und sich der gesamte Alltag nur noch um die Ernährung dreht.

In der wissenschaftlichen Medizin ist eine solche Essstörung bislang zwar noch nicht anerkannt, allerdings gibt es gute Gründe dafür, dass sich dies bald ändert.

Wie ist der Begriff Orthorexie entstanden?

Der Begriff Orthorexie ist im Jahre 1997 entstanden. Er wurde durch den US-amerikanischen Arzt Steven Bratman geprägt und beschrieben. Der Fachbegriff lautet dabei Orthorexia nervosa, wobei der Begriff an die Krankheit Anorexia nervosa, also an die Magersucht, angelehnt ist. Laut eigener Aussage litt Bratman selbst unter Orthorexie.

Doch nicht nur Steve Bratman ist der Überzeugung, dass es sich bei einer zwanghaft gesunden Ernährung um eine Krankheit handelt. Auch die US-amerikanische Psychologin Wendy Mogel behauptet, dass eine falsche Erziehung im Bezug auf Lebensmittel während der Kindheit zu Essstörungen führen kann.

Bratman und Mogel sind beide der Überzeugung, dass die individuelle Form der Ernährung vor allem dann problematisch wird, wenn Lebensmittel in die Kategorien „moralisch gut“ und „moralisch schlecht“ eingeteilt werden. Wenn man so agiert, wird die Aufnahme von Nahrung zu einer Art Religion und somit krankhaft.

Lebensstil vs. Krankheit

Wir verstehen, dass die wissenschaftliche Medizin Orthorexie nicht als Krankheit anerkennt. Schließlich handelt es sich prinzipiell lediglich um einen speziellen Lebensstil. Dennoch gehen Experten davon aus, dass es sich bei Orthorexie um eine Art Bewältigungsstrategie handelt, um eine schwere Essstörung selbst zu therapieren.

Es stellt sich die Frage, inwieweit diejenige Person, die sich vermeintlich gesund ernährt, unter dieser speziellen Ernährungsform leidet.

Laut Steven Bratman gibt es einige Anhaltspunkte, die dafür sprechen könnten, dass ein Patient unter Orthorexie leidet:

  • Gedanken kreisen mehrere Stunden täglich ums Essen
  • Mahlzeiten werden mehrere Tage im Voraus geplant
  • Nährwerte sind deutlich wichtiger als der Geschmack
  • Ernährungsweise senkt die Lebensqualität
  • Ernährung nach sehr strengen Vorschriften
  • Selbstwertgefühl und Glücksgefühl steigen durch gesunde Ernährung
  • Gänzlicher Verzicht auf Lebensmittel, die man gerne mag
  • Falsche Ernährung führt zu Schuldgefühlen
  • Soziale Isolation aus Angst vor Restaurantbesuchen und Co
  • Gesundheitliche Folgen der Ernährung (Mangelerscheinungen)

Letztendlich muss man sich immer vor Augen führen, dass eine Radikalisierung des eigenen Lebensstils zu Folgeerkrankungen wie beispielsweise Magersucht führen kann. Man sollte nicht verschweigen, dass auch der Tod eine mögliche Konsequenz von Orthorexie sein kann.

Ein gutes Mittelmaß finden

Grundsätzlich kann man so gut wie alles übertreiben – auch eine gesunde Ernährungsweise. Dennoch sollte man sich von Begriffen wie Orthorexie nicht verrückt machen lassen. Es kommt nur relativ selten dazu, dass jemand die Nahrungsaufnahme als Ersatzreligion sieht.

Ähnlich sieht es beim Sport aus: Millionen von Menschen treiben Sport – süchtig in einer Form, die zu gesundheitlichen Problemen führt, sind nur die wenigsten.

Trotzdem sollte man den Gedanken an Orthorexie stets im Hinterkopf behalten und die eigenen Ernährungspläne stets hinterfragen. Schließlich kann es passieren, dass aus einer vermeintlich gesunden Ernährungsweise auf einmal eine Mangelernährung wird, weil man zu viele Lebensmittel meidet. Es darf nicht passieren, dass man einen Tunnelblick bekommt.

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