17. September 2015 | Neuigkeiten

Forscher züchten Hefe, die erfolgreich THC produziert

Forschern ist es gelungen, Hefe so zu verändern, dass sie Tetrahydrocannabinol (THC) produziert. (Bildquelle: © Dmitriy Syechin – Fotolia.com)

THC ist nicht nur eine psychoaktive Substanz, die von Freigeistern und abenteuerlustigen Jugendlichen zum Spaß und zur Sinneserweiterung konsumiert wird, sondern auch ein anerkanntes Arzneimittel, welches schmerzlindernd bei Chemotherapien oder bei der Behandlung von AIDS eingesetzt wird. Die Liste von medizinischen Einsatzmöglichkeiten ist mittlerweile enorm gewachsen und nicht mehr von der Hand zu weisen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Wissenschaftler abseits der Hanfpflanze versuchen, die Substanz Tetrahydrocannabinol (THC), die hauptsächlich für die positiven Effekte verantwortlich ist, über Umwege auf eine deutlich effektivere Weise herzustellen, als es beim Gewöhnlichen Hanf der Fall ist.

Mittlerweile ist es Wissenschaftlern gelungen, Hefe zu züchten bzw. genetisch dahingehend zu verändern, dass diese THC produziert. Die Hefe eignet sich bisher zwar noch nicht für die industrielle Massenproduktion, allerdings arbeiten verschiedene Forscherteams bereits fieberhaft daran, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

THC-Hefe kann noch viel mehr

Die auf biotechnischem Wege entworfene Hefe kann allerdings nicht nur Tetrahydrocannabinol produzieren, sondern auch andere, medizinisch-relevanten Stoffe, die in der Hanfpflanze vorkommen. Die Rede ist dabei von der Substanz Cannabidiol, die ebenfalls schwach psychoaktiv wirkt und ebenfalls zu medizinischen Zwecken verwendet werden kann. Eine Veröffentlichung dieser Tatsache steht allerdings noch aus.

Hefe ist nicht umsonst der Modellorganismus vieler Biologen. In der Vergangenheit ist es Forschern beispielsweise gelungen, Hefe so zu verändern, dass diese eine Substanz exprimiert, die Morphin sehr ähnlich ist und ebenfalls eine schmerzlindernde Wirkung aufweist.

Das Ende von synthetischem THC in der Medizin?

THC wird auf der gesamten Welt bereits seit einiger Zeit als wirkungsvolles Arzneimittel eingesetzt. In Deutschland ist die Situation jedoch schwierig. Zwar können Patienten Ausnahmegenehmigungen erwirken, der Weg vom Antrag bis hin zum Arzneimittel ist jedoch lang und steinig. Das THC, das in Deutschland eingesetzt wird, stammt außerdem aus dem Chemielabor und ist demnach synthetisch hergestellt. Die klassische Cannabispflanze wird nicht verwendet, da man die illegale Nutzung der Pflanzen befürchtet.

Wenn sich die THC-produzierende Hefe erst einmal auf dem Massenmarkt etabliert hat, wird synthetisch-hergestelltes THC vermutlich gar nicht mehr genutzt, da es viel zu teuer und zu aufwendig in der Produktion ist.

In anderen Ländern geht man mit THC etwas lockerer um, wie beispielsweise in den Niederlanden oder neuerdings auch im Staat Colorado in den USA. Hier wurde Cannabis mittlerweile legalisiert.

Probleme bei der THC-Produktion per Hefepilz

Momentan gibt es noch einige Probleme bei der THC-Produktion per Hefepilz, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Bisher hat man es nämlich nicht geschafft, dass die Hefepilze THC auf Grundlage von Zucker produzieren. Stattdessen wird immer noch eine Art Vorläufermolekül des Tetrahydrocannabinol als Basis benötigt. Die Erschaffung von Tetrahydrocannabinol auf Zuckerbasis wäre allerdings deutlich preiswerter und mit weniger Aufwand verbunden.

Aber die Hanfpflanze enthält doch genug THC?

Hefe lässt sich – im Gegensatz zu anderen Pflanzen – relativ unkompliziert genetisch verändern und exprimiert ausgewählte Stoffe zuverlässig und effizient. Nichtsdestotrotz hat es über zehn Jahre gedauert, bis man eine Hefe vorweisen konnte, die tatsächlich effektiv THC produziert.

Des Weiteren erhofft man sich, dass man mit der THC-Produktion über die Hefepilze einige Europäische Gesetze umgehen kann und die chemische Synthese von THC bald der Vergangenheit angehört. Der Grundgedanke ist hierbei der, dass man THC, das von Hefe produziert wurde, nicht als Joint drehen kann und die THC-produzierende Hefe somit für den Schwarzmarkt uninteressant wird.

Aber auch sonst sind wir gespannt, wie die spezielle Hefe in Deutschland vor dem Gesetz behandelt wird. Schließlich unterliegt THC in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Übrigens: Die Trockenmasse hochgezüchteter Hanfpflanzen besteht heutzutage zu circa 30% aus THC und ist somit deutlich potenter als noch vor einigen Jahrzehnten. Und dennoch: Die Produktion per Hefe wäre effektiver und könnte aus den eben genannten Gründen auch in Ländern wie Deutschland zum Einsatz kommen.

Was steht der Massenproduktion noch im Wege?

Momentan arbeiten viele Forscherteams und Firmen, die sich auf Biotechnologie spezialisiert haben, daran, die THC-produzierende Hefe zu verbessern und ihre Effizienz zu erhöhen. Die Hefe, die man bisher heranzüchten konnte, funktioniert zwar, eignet sich allerdings noch nicht für die industrielle Herstellung.

Weitere Quellenangaben

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