03. Dezember 2015 | Biologie & Genetik, Neuigkeiten

Frage der Ethik: Darf man menschliches Erbgut verändern?

Genetische Modifikation von menschlichem Erbgut bietet viele Chancen, ist moralisch aber höchst fragwürdig. (Bildquelle: © Adrian Hillman – Fotolia.com)

Der strukturelle Aufbau der DNA wurde erstmalig im Jahre 1953 vom US-amerikanischen Molekularbiologen James Watson und dem britischen Biochemiker Francis Crick beschrieben. Seitdem steht die Welt der Genetik nicht mehr still – die Methoden werden stetig weiterentwickelt und es bieten sich immer weitere Möglichkeiten.

Heutzutage kann man dank DNA-Sequenzierung Gensequenzen und sogar ganze Genome mit relativ wenig Aufwand entschlüsseln. Auf diese Weise kann man Ursachen von Krankheiten, Allergien und erblich bedingte Tendenzen zu Suchtmitteln wie beispielsweise Alkohol enttarnen – und das ist nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten.

Die Möglichkeiten sind in der Theorie zwar unbegrenzt – in der Praxis ist die Modifikation des menschlichen Erbguts allerdings sehr umstritten. Es stellt sich die Frage, ob man den Bauplan eines Menschen einfach so manipulieren darf.

Aktuell findet vom 01. bis zum 03. Dezember in Washington D.C. eine internationale Konferenz (International Summit on Human Gene Editing) statt, auf der der aktuelle Stand der Gentechnik diskutiert wird. Außerdem möchte man sich darauf einigen, wie weit man in diesem speziellen Bereich der Biologie zukünftig gehen darf.

Über die Konferenz

Auf der internationalen Konferenz werden Experten aus über 20 verschiedenen Nationen sprechen und ihre Meinung zur Modifikation des menschlichen Erbguts kundtun. Dabei geht es hauptsächlich um die theoretischen Anwendungsmöglichkeiten, die Vorteile und die Gefahren, die eine Manipulation des menschlichen Genoms mit sich bringt.

Organisiert wird der Gipfel von der U.S. National Academy of Sciences, der U.S. National Academy of Medicine, der Chinese Academy of Sciences und der U.K. Royal Society.

Ein Blick auf die Gentechnik in der Tier- und Pflanzenwelt

Es ist kein Geheimnis, dass genetische Modifikationen in der Lebensmittelindustrie eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere Pflanzen werden häufig so modifiziert, dass sie dem Bauern einen möglichst großen Ertrag liefern, vor Schädlingen geschützt sind und dem Wetter trotzen können. Auch tierische DNA wird beispielsweise dahingehend verändert, dass die Tiere bestimmten Krankheiten besser trotzen können. Man entfernt sich immer weiter vom Tier und sieht es eher als Produkt an, das möglichst effizient sein soll.

Solche Modifikationen optimieren den Ertrag und sorgen letztendlich für einen geringeren Preis im Supermarkt. Dennoch protestieren viele Menschen gegen genetische Veränderungen, da sie unter anderem gesundheitliche Langzeitschäden fürchten und die Veränderung des Erbguts von Lebewesen unmoralisch finden. Langzeitschäden konnten bisher allerdings – unseres Wissens nach – noch nicht festgestellt werden.

Genetische Modifikation mit CRISPR

CRISPR steht für Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats. Hierbei handelt es sich um eine Methode, bei der bakterielle Enzyme dafür genutzt werden, spezielle Sequenzen aus einem Genom herauszuschneiden und dafür eine beliebige andere Gensequenz einzufügen. Dieser Mechanismus kann in pflanzlicher, in tierischer und somit natürlich auch in menschlicher DNA verwendet werden.

Die Möglichkeiten einer solchen Methode sind unbegrenzt. Krebs und HIV könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn man die CRISPR-Methode korrekt einsetzt. Sämtliche Gene, die unerwünscht sind, können so entfernt oder ausgetauscht werden. Eltern könnten sich zukünftig aussuchen, welche Augenfarbe ihr noch ungeborenes Kind später haben soll.

In China gab es bereits erste Experimente mit CRISPR und menschlichen Embryonen. Diese haben in der westlichen Welt natürlich für einen Aufschrei sondergleichen gesorgt. Bisher galt nämlich jedes menschliche Leben in der Welt der genetischen Modifikation als unantastbar – doch vielleicht ändert sich diese Sichtweise schon sehr bald.

Eine Frage der Moral

Es stellt sich die Frage, ob man solche Möglichkeiten nutzen sollte, nur weil sie zur Verfügung stehen. Sollte man perfekte Menschen erschaffen oder der Natur ihren freien Lauf lassen?

Des Weiteren sollte man im Hinterkopf behalten, dass auch solche Methoden nicht perfekt und noch lange nicht ausgereift sind – schließlich wurden sie bisher noch nicht an Menschen getestet. Es kann immer mal wieder zu Unfällen kommen, die verheerende Folgen für spätere Generationen haben können. Die Langzeitfolgen sind also bisher unbekannt.

Letztendlich dürfen wir gespannt sein, zu welchen Ergebnissen die Experten auf der eingangs erwähnten Konferenz kommen, die heute endet. Wir halten Euch natürlich auf dem Laufenden.

Fazit: Eine der schwersten Entscheidungen der Menschheit

Fassen wir zusammen: Der Menschheit stehen bahnbrechende Methoden zur Verfügung, deren Umsetzung moralisch höchst fragwürdig sind. Man könnte die Menschheit auf diese Weise von verheerenden Krankheiten und genetischen Defekten befreien, oder aber neue Probleme schaffen. 

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